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5 Kurz-Krimis zu Weihnachten: Cassiopeiapress Spannung

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Endlich habe ich die Weihnachtskrimis, die schon länger auf meiner Festplatte schlummerten, zum Leben erweckt und sie einem Verlag geschickt. Jetzt gibt es sie als Krimibüchlein bei Amazon, Thalia, Hugendubel, Weltbild und bücher.de.

 

 

 

 

 

 

Es war einmal

Weihnachtsbaum2Unser Weihnachtsbaum, natürlich eine preiswerte Fichte, stand in meiner Kindheit immer auf einem Tisch. Erst später wurde er größer. Das Bäumchen meiner Großeltern war noch kleiner. Mehr gab die winzige Zweizimmerwohnung nicht her.

Heute bekommen wir die Tanne, Fichten werden bei uns gar nicht mehr verkauft, kaum noch ins Zimmer, weil sie so hoch ist. Trotzdem reicht der Platz noch für Geschenke und Esstisch. Ob sich aber unsere Kinder wirklich darüber freuen, weiß ich nicht. Für sie ist vieles selbstverständlich. Und der Zauber der Weihnachtszeit ist längst verloren gegangen.blog31

Hindernisse beim Schautanz

„Dein neues Kleid sieht wunderschön aus.“ Renate nickte anerkennend, als Melanie sich vor ihr drehte.

„Eigentlich wollte ich mein blaues noch eine Weile tragen, doch auf dem letzten Turnier waren Verkaufsstände und das Kleid hat uns so gut gefallen, das ich es anprobiert habe.“

„Unglaublich. Es sieht aus, wie für dich angefertigt. Hast du es ändern lassen?“

Melanie schüttelte den Kopf. „Es passte wie angegossen. Da ich Weihnachtsgeld bekommen habe, konnte ich es mir leisten.“

Die beiden Frauen gingen in den Saal, wo Dirk und Andreas schon auf sie warteten. Sie hatten sich zum freien Training ohne Trainer verabredet. Melanie und Dirk wollten das neue Kleid ausprobieren. Vielleicht war es doch etwas zu lang und musste gekürzt werden. Während Renate und Andreas für ihren Schauauftritt bei dem Ball eines Sportvereins proben mussten.

Nachdem Melanie und Dirk jeden Tanz kurz ausprobiert hatten, zog sich Melanie wieder um, sie wollte das neue Kleid nicht gleich durchschwitzen. Es reichte, zu wissen, dass es auch beim Bewegen perfekt saß.

Andreas maß den Saal aus und stellte Stühle hin. „Die Fläche ist leider ziemlich klein“, stöhnte er und kratzte sich am Hinterkopf. Gemeinsam überlegten sie, wie die Beiden ihre Folgen kürzen konnten, um mit der Fläche zurechtzukommen. Es dauerte eine Weile, bis sie die Figuren zusammengebastelt hatten. Das Ergebnis sah wirklich gut aus.

„Wollt ihr nicht mitkommen?“, fragte Andreas, nachdem auch Melanie und Dirk in der abgesteckten Hälfte trainiert hatten.

„Wir können nicht einfach dort auftauchen“, wehrte Melanie ab. Nein, sie hatte keine Lust. In der Weihnachtszeit war im Buchladen so viel zu tun, dass sie abends froh war, sich aufs Sofa zu legen und zu lesen oder fernzusehen.

„Ihr könnt uns hinterher davon erzählen“, meinte Dirk und Melanie lächelte ihn dankbar an.

Doch drei Tage später rief Dirk bei Melanie an. „Entschuldige bitte. Ich habe dich hoffentlich nicht geweckt.“

Melanie schaute auf die Uhr, obwohl es erst kurz nach acht Uhr war, hatte sie sich schon hingelegt. Die Beine schmerzten vom langen Stehen und sie war müde.

„Andreas hat eine Nierenentzündung und liegt flach. Renate fragt, ob wir für sie auftreten können.“

„Wir sind doch gar nicht so gut“, meinte Melanie.

„Gut genug. Immerhin in der A Klasse“ Dirk klang amüsiert. „ Wir müssten um neun auftreten und können anschließend den Ball mitmachen. Du musst jetzt sagen, ob du Lust hast oder ob es dir zu viel wird.“

Eigentlich fühlte sich Melanie zu erschöpft, um jetzt so eine Entscheidung zu fällen. Doch dann dachte sie an das Frühlingsfest im Verein und wie viel Spaß es ihr gemacht hatte. Außerdem hatte sie sich im letzten Schlussverkauf ein schönes, langes Kleid gekauft, das sie noch nie angezogen hatte.

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Frohe Weihnachten

 
 
BallträumeBild
„Meinst du wirklich, ich kann auch ohne Partner zum Ball gehen?“ Kim nahm Melanie einige Bücher ab und trug sie nach vorn. Sie mussten sie noch in Geschenkpapier einpacken. Die Bücher, die sie momentan verkauften, waren fast alle Weihnachtsgeschenke und die verpackten sie lieber morgens, wenn der Laden noch halbwegs leer war, als später, wenn die Warteschlange an der Kasse immer länger wurde.
„Natürlich, die Männer fordern reihum auf. Außerdem gibt es Vorführungen und Dirk muss fotografieren, da bin ich froh, wenn ich mich mit jemanden unterhalten kann.“
Trotzdem zögerte Kim noch. Natürlich musste sie unter Leute kommen. Seit sie ihren Ex rausgeschmissen hatte, war sie niedergeschlagen und saß fast jeden Abend vor der Glotze. Selbst zum Lesen hatte sie keine Lust mehr. Aber im Tanzclub Lietzensee kannten sich alle und außerdem konnten alle ganz toll tanzen. Da konnte sie mit ihren paar Tanzschulschritten doch gar nicht mithalten.
„Hast du ein schönes Kleid? Es muss nicht lang sein. Oder eine schwarze Stoffhose?“
Kim schüttelte den Kopf. „Mein Kleid vom Abtanzball passt mir schon lange nicht mehr.“ Ihr kam das Kleid aus dem Schaufenster in den Sinn. Seit Tagen schaute sie es sich in der Mittagspause sehnsüchtig an. Ein trägerloser Traum in dunkelrot. Ihre brünetten Haare würden damit gut zur Geltung kommen.
Obwohl sie das Kleid gleich am nächsten Tag in der Pause probierte, zögerte sie noch immer. Erst als Dirk Melanie am Abend abholte und einen attraktiven schwarzhaarigen jungen Mann dabei hatte, überlegte sie es sich ernsthaft. Den ganzen Abend und den nächsten Morgen träumte sie von diesem Typ. Der konnte glatt als Fotomodell durchgehen. Durchtrainierter Körper, gleichmäßige Gesichtszüge und dann diese schwarzen Locken.
„War das ein Tänzer?“, fragte sie am nächsten Tag Melanie.
„Nein, ein Kollege von Dirk. Der kommt auch zum Ball.“
Das gab den Ausschlag. „Gibt es bei euch noch Plätze? Ich habe nichts Besseres vor, dann kann ich auch mit dir mitkommen und den Tänzern zuschauen“, gab Kim sich uninteressiert.

 

Die Weihnachtsüberraschung

Missmutig saß ich in der Küche, frühstückte und schaute hinaus in den Dauerregen. Obwohl es schon Mitte Dezember war, ließ der Schnee noch auf sich warten. Ich überlegte, was ich Weihnachten unternehmen sollte. Seit ich mich vor vier Wochen endlich von meinem langjährigen Freund Jens getrennt hatte, war ich niedergeschlagen. Natürlich musste ich als Alleinstehende am Heiligen Abend und den beiden Feiertagen im Krankenhaus arbeiten, deshalb konnte ich nicht zu meinen Eltern nach Norddeutschland fahren. Was fing ich nun mit den einsamen Abenden an? Meine Freunde feierten alle in der Familie. Greta hatte mich zwar eingeladen, aber ich hatte abgelehnt, ich wäre mir dabei zu sehr als Eindringling vorgekommen. Vielleicht könnte ich Frau Bartels besuchen? Die alte Dame wohnte über mir. Einmal hatte ich sie zum Arzt gefahren, weil sie krank war. Seitdem verstanden wir uns hervorragend. Ich erledigte ab und zu kleine Besorgungen für sie, und sie hörte mir zu und spendete mir Trost. Dabei vermittelt sie mir immer das Gefühl alle Probleme wieder in den Griff zu bekommen. Sie lebte ganz allein und hatte keine Verwandten mehr. Manchmal erzählte sie zwar von ihrem wunderbaren Enkelsohn, den hatte aber noch nie jemand gesehen, deshalb bezweifelten wir seine Existenz.

Am Heiligen Abend ging ich also, sobald ich Feierabend hatte, festlich angezogen mit Kuchen und einem kleinen Geschenk zu Frau Bartels.

Wie ich erwartet hatte, war sie ganz allein in der geschmückten Stube. Sie war gerührt, dass ich sie besuchte und kochte gleich Kaffee. Bald saßen wir gemütlich zusammen, und sie erzählte von früher, von ihrer tödlich verunglückten Tochter und ihrem Enkelsohn. Sie zeigte mir alte Fotos und erklärte: „Mein Schwiegersohn ist Engländer, bald nach dem Tod meiner Tochter ist er wieder in seine Heimat zurückgegangen. In den ersten Jahren habe ich sie dort besucht, doch dann hat er wieder geheiratet, und ich wollte keine Unruhe in die neue Ehe bringen.“

„Haben Sie noch Kontakt zu ihrem Enkel?“, fragte ich neugierig.

„Aber ja, Steve ist ein feiner Kerl. Er besuchte mich manchmal. In den letzten Jahren hat er als Ingenieur in Amerika gearbeitet, das ist leider zu weit weg. Jetzt hat er sich nach München versetzen lassen, dann sehe ich ihn bestimmt öfter.“  Frau Bartels lächelte zufrieden.

Es klingelte an der Wohnungstür.

„Wer ist denn das?“, fragte sie überrascht und erhob sich. „Soviel Trubel war Weihnachten seit Jahren nicht mehr.“

Nach einer geraumen Weile kam sie mit einem unverschämt gutaussehenden, braungebrannten Mann im Arm zurück.

„Vanessa, das ist mein Enkel Steve, ich kann es noch gar nicht fassen, dass er hier ist“, stellte sie ihn vor.

„Guten Tag, so eine freudige Überraschung“, begrüßte ich ihn. „Sie haben sich sicher viel zu erzählen, da will ich nicht stören.“ Unauffällig wollte ich verschwinden. Aber ich hatte nicht mit Steve gerechnet.

„Nein, nein, ich kann doch nicht unangemeldet hier einfallen und die Gäste meiner Großmutter vertreiben. Bitte bleiben Sie hier“, bat er mit einem leichten englischen Akzent.

„Ich wollte sowieso gehen“, wehrte ich ab. „Morgen muss ich früh aufstehen und arbeiten.“

„Nein, Vanessa, Sie bleiben“, bestimmte Frau Bartels resolut. „Ich weiß nur nicht, was wir essen sollen. Vielleicht bestelle ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Pizza?“

„Bis die heute geliefert wird, sind wir verhungert. Ich habe noch Hähnchenschenkel und Rotkohl im Gefrierfach“, schlug ich vor.

Gemeinsam kochten wir unter viel Gelächter und Ausnutzung sämtlicher Reste ein dreigängiges Weihnachtsessen. Hinterher saßen wir bei einem Glas Wein und Steve erzählte spannend von England und Amerika. Die Zeit verging wie im Fluge.

Schließlich erhob ich mich, etwas Schlaf brauchte ich unbedingt. Steve bestand darauf, mich die Treppe hinunter zu begleiten. Vor meiner Tür sagte er: „Vielen Dank, dass du dich so nett um meine Granny gekümmert hast. Bitte, besuche uns morgen Abend wieder.“

Als ich überrascht zu ihm hochsah, lächelte er mich so liebevoll an, dass mir ganz warm wurde. Dann schloss er mich in seine Arme, hauchte mir einen Kuss auf den Scheitel und sagte leise: „Ich warte morgen auf dich.“

© Eva Joachimsen