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Erfolg lässt sich nicht erzwingen – noch eine Leseprobe

(…)
Melanie genoss den Abend. Mirko stellte sie seinen Bekannten vor. Sie konnte sich die vielen Namen nicht so schnell merken.
„Kennst du die ganze Stadt?“, fragte sie.
Mirko lachte. „Nein, aber ich tanze schon sehr lange und Tänzer kennen sich untereinander.“
Er tanzte mit einigen anderen Frauen, deren Partner so anständig waren, sie ebenfalls aufzufordern.
Sie wechselte mit den Herren immer ein paar Worte. Anscheinend hatte Mirko schon einmal mit jedem von ihnen zusammen trainiert. In verschiedenen Vereinen über ganz Berlin verstreut. Melanie war völlig verwirrt. Wahrscheinlich verstand sie ihre Partner bei den kurzen Gesprächen während des Tanzens nicht richtig.
Später setzte sich Melanie, schlüpfte unter dem Tisch aus den Tanzschuhen und bewegte die Zehen ihrer brennenden Füße.
„Gefällt dir unser Ball?“, fragte eine Rothaarige.
„Sehr. Ihr habt einen tollen Saal.“
„Wir haben auch tagelang geräumt, geputzt und geschmückt.“ Die Rothaarige lachte.
„Wie zu Hause, wenn man eine Party gibt.“
Später erfuhr Melanie, dass die Rothaarige eine ehemalige Partnerin von Mirko war.
Gegen ein Uhr wurde die Fläche leerer. Jetzt zeigten die Turniertänzer, was sie konnten. Auch die Rothaarige schwebte leichtfüßig über die Fläche.
Mirko tanzte mit verschiedenen Damen, während Melanie am Rand saß und zuschaute. Sie bewunderte sein Können. Hoffentlich war er mit ihr wirklich zufrieden.
„Du solltest dir deine Haare färben lassen“, sagte die Rothaarige, die sich wieder neben sie setzte.
„Warum?“ Melanie war bisher mit ihrer Haarfarbe ganz zufrieden gewesen, auch wenn sie unauffällig war und in Deutschland recht häufig auftrat.
„Damit du auf der Tanzfläche gesehen wirst.“
Melanie nickte. „Schwarz und hellblond stehen mir bestimmt nicht. Dann sehe ich wie eine Leiche aus.“
Die Rothaarige musterte sie gründlich. „Nur ein paar Strähnchen. Rot wäre gut.“
Melanie lächelte. „Ich werde es mir überlegen. Aber erst einmal brauchen wir eine Folge, mit der wir antreten können.“
„Du tanzt gut. Du kannst folgen und siehst elegant aus“, stellte die andere fest.
„Danke!“, sagte Melanie überrascht. „In welcher Klasse tanzt du?“
„Seit zwei Jahren in der S Klasse. Aber jetzt wollen wir eine Babypause einlegen. Vielleicht fangen wir in ein paar Jahren wieder an.“
Ein großer schwarzhaariger Mann setzte sich zu ihnen. „Mein Mann Jörg“, stellte die Rothaarige vor.
„Jörg und …?“, fragte Melanie. „Tut mir leid, ich habe kein Namensgedächtnis und heute waren es so viele neue Namen und Gesichter.“
„Nadine. Jörg und Nadine.“
In der letzten halben Stunde forderte Mirko sie wieder auf. „Lust auf einen Jive?“
Melanie nickte und suchte mit den Füßen nach ihren Schuhen. Nirgends fand sie sie, obwohl sie schon gegen Nadines Beine stieß.
„Tut mir leid“, murmelte sie und tauchte nach unten. Ihre Schuhe waren nicht zu sehen. Barfuß lief sie um den Tisch herum und suchte sie.
„Suchen Sie die?“ Ein schlanker Herr mit vollen dunkelblonden Haaren hielt ihr die Schuhe hin.
„Oh!“ Sie schluckte und bekam kein Wort heraus.
Er lächelte. Um seine grünen Augen bildete sich eine Reihe Lachfältchen.
„Sie hatten es schon allein fast bis zur Tanzfläche geschafft.“ Er nickte ihr zu und verschwand im Gedränge.
Melanie fiel nicht rechtzeitig eine passende Antwort ein. Stattdessen schlüpfte sie in die Schuhe. Mirko grinste. Als sie endlich auf der Fläche standen, war die Musik gerade vorbei. Aber sie nahmen die anschließende Samba. Jetzt hatten sie Platz. Die meisten waren schon nach Hause gegangen. Nur eine kleine Gruppe Unverwüstlicher hielt noch die Fahne hoch und tanzte. Selbst die Zwei-Mann-Combo packte ihre Geräte ein. Inzwischen kam die Musik aus dem CD-Spieler.
„Wenn ich bloß so toll wie Nadine tanzen könnte“, seufzte Melanie.
„Wir üben, bis du es kannst“, versprach Mirko.
(…)

Tanz in die Liebe“ enthält den Kurzroman „Erfolg lässt sich nicht erzwingen“ von Eva Joachimsen und ist bei Amazon, Thalia, Weltbild und Hugendubel zu beziehen.

Erfolg lässt sich nicht erzwingen

Blut ist im Schuh, der Schuh ist zu klein

Damit die Füße in der Ballnacht heil bleiben, brauchen richtige Tänzer natürlich die passenden Schuhe. Gummisohlen gehen gar nicht, da die Tänzer sich drehen müssen. Gummi würde die Bewegung stoppen und die Gelenke zu stark belasten. Also sagen schon die Tanzlehrer ihren Anfängern, dass sie Schuhe mit Ledersohlen tragen sollen. Gar nicht so einfach. Welche Schuhe haben heute noch Ledersohlen?

Außerdem rutschen glatte Ledersohlen viel zu stark, deshalb tragen Menschen, die nicht nur ab und zu tanzen, sondern regelmäßig, besondere Tanzschuhe.

Tanzschuhe haben eine Chromledersohle, d. h. eine Sohle aus rauem Leder. Nach dem Tanzen, wenn Dreck und Wachs eine Schicht gebildet haben, werden sie mit einer Drahtbürste sorgsam gereinigt.

Die Sohlen sind dünn, damit man den Boden spürt, und dementsprechend empfindlich. Deshalb werden die Schuhe nur im Tanzsaal und nicht im Freien getragen. Zumal man mit ihnen schnell nasse Füße hätte.

In einschlägigen Geschäften hat man eine Riesenauswahl. Für die Damen geschlossene Standardschuhe oder vorne offene Lateinschuhe in allen möglichen Farben und Absatzhöhen, dazu schmale und breite Modelle. Aschenputtels Schwestern hätten also lieber Sandaletten probieren sollen.

Natürlich können auch Männer aus einem großen Sortiment wählen, nur bei der Farbe herrscht schwarz vor.

Für Vieltänzer wie Trainer gibt es Trainerschuhe, die zwar nicht so elegant, dafür bequem sind und die Füße schonen, wenn man lange in ihnen stehen muss. Die richtigen Schuhe geben Halt und sollen gut sitzen. Es lohnt sich, sich umzuschauen und so lange anzuprobieren, bis man die geeigneten gefunden hat.

Die Verkäufer in den Schuhläden erzählen, dass sie die Tanzschuhe nicht nur an Tänzer, sondern auch an Ballbesucher und Bräute verkaufen. Heutzutage ist es schließlich nicht mehr modern, an Bäumchen zu rütteln, damit silberne Schuhe herabfallen.

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