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Eine Kurzgeschichte in der Weihnachts-Textwerkstatt

Natürlich habe ich auch diesmal eine Geschichte für die Weihnachts-Textwerkstatt geschrieben, langsam wird es Tradition und irgendwann gebe ich dann wieder eine Sammlung mit Weihnachtsgeschichten heraus.

Kauft ihr rechtzeitig Weihnachtsgeschenke? Meine Großmutter begann immer schon im Spätsommer. Im Oktober hatte sie dann alle Besorgungen erledigt. Bei mir wird es leider seit ein paar Jahren immer später und so kaufe ich häufig erst ein oder zwei Wochen vor Heiligabend die Geschenke. Am 24. selbst besorge ich allerdings höchstens Lebensmittel, obwohl die Kaufhäuser dann wahrscheinlich eher leer sind.

In „Ein Geschenk in letzter Minute von Eva Joachimsen“ warten die Verkäuferinnen Marion und ihre Kolleginnen ungeduldig auf den Feierabend, um mit ihren Familien endlich feiern zu können. Doch im letzten Augenblick hält sie ein Kunde auf.

Woher kommen die Schreibideen? – Der Blick in die Zukunft

Prophezeiung
Eine meiner Freundinnen ist als chronisch Kranke Frührentnerin. Als aufgeweckte, intelligente Frau beschäftigt sie sich mit allem Erdenklichen. Eine Zeitlang war es Esoterik. So pendelte sie unsere Zukunft aus oder legte Karten. Immer mit dem Hinweis, dass sie nur Möglichkeiten aufzeigen würde. Was daraus entstehen würde, liege dann am Verhalten jedes Einzelnen. So ähnlich war es ja schon in den klassischen griechischen Sagen. Hätten Ödipus Eltern ihren Sohn nicht weggegeben, hätte er seinen Vater gekannt und nicht aus Versehen erschlagen. Es ist also nicht immer gut, eine Weissagung allzu wörtlich zu nehmen.
Wie Julia mit Fränzis Prophezeiung umgeht, steht in der Geschichte: „Der Blick in die Zukunft“ im E-Book „Hinter jeder Tür wartet neues Glück: Liebesgeschichten“.

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Woher kommen die Schreibideen – „Wer kann, der kann“

Beim Zappen durch die Fernsehkanäle blieb ich eine Weile bei einer Musiksendung hängen. Es wurden alte Schlager gespielt und die Sänger waren dementsprechend nicht ganz so jung, wie sie auf dem Bildschirm wirkten. An eine Sängerin erinnere ich mich noch lebhaft. Sie stakste auf wirklich hohen Highheels über die Bühne, die drei Stufen zu einem Podest hoben sie die Tänzer vom Fernsehballett elegant hoch. Gehässig vermutete ich, dass sie allein nicht hinaufgekommen wäre. Bei ihrem Vortrag stand sie ziemlich steif und wechselte nur von einem Bein aufs andere.

Etwas später beobachtete ich Ähnliches bei der Sängerin eines Ferienhotels. Auch sie trug Pumps mit extrem hohen Absätzen. Immerhin musste sie nicht von ihrem Partner getragen werden, aber ihr Gang wirkte sehr verhalten und gestelzt, dabei war sie erheblich jünger als die Schlagersängerin aus der Fernsehsendung. Seitdem lauere Ich immer, wenn Frauen auf Highheels laufen.

Einmal habe ich mutig im Schuhladen welche ausprobiert, sicherheitshalber klammerte ich mich am Regal fest. Doch erstaunlicherweise waren sie bequem und ich hatte einen festen Halt. Trotzdem habe ich sie nicht gekauft. Mir reicht es, dass ich mir vor Jahren einmal den Knöchel gebrochen habe.

In „Wer kann, der kann“ im E-Book „Schuhträume“ beobachten Maret und Luca eine Frau, die auf dem schwankenden Schiff durch ihre hohen Absätze in Schwierigkeiten kommt.

Woher kommen die Schreibideen – „Schuhkauf mit Kindern“

Die meisten Eltern kennen sicher den Stress, den ein Kinderschuhkauf bedeutet. Vor allem, wenn die Kinder nicht die von den Fabriken erwarteten Idealfüße besitzen. Dann wandert man von Schuhladen zu Schuhladen und versucht, die Kleinen unterdessen bei Laune zu halten. Mit einem Kind mag es noch gehen, bei mehreren wird es regelrechter Stress. Wir landeten irgendwann bei einem entfernteren Laden, der dafür aber immer Comics im Fernsehen laufen ließ. Dadurch waren die Kleinen meistens eine Weile beschäftigt, während wir Eltern mit geduldigen Verkäufern versuchten, die passende Fußbekleidung zu bekommen. Manchmal hielten die Schuhe nur ein Vierteljahr, weil die Kinder so schnell wuchsen. Und immer mussten dann gleich mehrere Schuhpaare besorgt werden, wobei Gummistiefel, Haus- und Turnschuhe meist unproblematisch waren. Aber Halbschuhe und Winterstiefel bedeuteten richtigen Stress. Die Kinder wollten natürlich Schuhe mit blinkenden Absätzen oder solche mit Spielzeug als Zugabe haben. Wir suchten einfach nur Schuhwerk, das wirklich passte. Einmal nahmen wir notgedrungen auch weiße Schuhe, weil es das einzige passende Paar war. Sicher war es ein Ladenhüter, herausgesucht aus der hintersten Lagerecke von einem geduldigen Verkäufer.
Bei einer besonders langandauernden Anprobe regnete es plötzlich Schuhe, weil das gelangweilte Geschwisterkind sich unbemerkt davongeschlichen hatte und im Nachbargang die Regale ausräumte und den Inhalt durch die Gegend warf.
Diese Erfahrungen habe ich in „Schuhkauf mit Kindern“ im E-Book „Schuhträume“ verarbeitet.

Woher kommen die Schreibideen – „Lieblingsflipflops“

Vor Jahren quälten wir uns in Tschechien von Pec pod Sněžkou zu Fuß auf die Schneekoppe hinauf. Die allermeisten Besucher des Bergs fuhren mit der Seilbahn und liefen nur die letzten Meter bis zum Gipfel. Doch dieses kurze Stück hatte es in sich. Die Felsen waren glatt und fielen seitlich steil ins Tal hinab. Umso erstaunter war ich, mit welchem leichten Schuhwerk viele Ausflügler unterwegs waren.

Einige Jahre später durchwanderten wir die Wutachschlucht im Schwarzwald, den größten Canyon Deutschlands. Der gut gesicherte Weg führt teilweise oberhalb des Flusses über einen schmalen Felssims. Durch die Luftfeuchtigkeit war der Fels rutschig. Ich ärgerte mich, meine Bergstiefel daheim gelassen zu haben und nur fest Halbschuhe mit gutem Profil angezogen zu haben. Aber wahrscheinlich bin ich viel zu ängstlich, denn auch hier kamen uns Touristen mit dem einfachsten Schuhwerk entgegen. Eine Frau trug, wie in meiner Geschichte „Lieblingsflipflops“, ihre Badelatschen am Gürtel befestigt und lief barfuß über die Felsen. Natürlich spann ich sofort eine Kurzgeschichte daraus, die im Buch „Schuhträume“ nachzulesen ist.

Quallenalarm

„Nun komm schon. Ich muss mich abkühlen.“ Energiegeladen sprang Jessy auf und hielt Rena auffordernd eine Hand hin.

„Viel zu heiß“, murmelte Rena und schloss ihre Augen wieder. Sie war froh, dank des Strandkorbs im Schatten zu liegen und zu dösen. Bei dieser Hitze war jede kleinste Bewegung zu anstrengend. Wenn sie gewusst hätte, dass es an der Ostsee so heiß werden konnte, hätte sie auch gleich in die Tropen reisen können. Sie vertrug Sonne nicht, bekam sofort Kopfschmerzen, außerdem litt sie an einer Sonnenallergie. Sogar die teure Sonnencreme aus der Apotheke half nicht. Deshalb saß sie im Strandkorb unter einem Zelt aus Tüchern.

„Eben, deswegen will ich baden“, bestätigte Jessy.

„In der warmen Brühe?“, fragte Rena.

Doch Jessy gab nicht so schnell auf, sondern drängte sie so lange, bis Rena endlich aufstand und ihr folgte. Im flachen Bereich tobten kleine Kinder herum. Rena beeilte sich, in Jessys Nähe zu bleiben. Die war schließlich Rettungsschwimmerin und Rena traute sich nur mit ihr in die See. Sie selbst war froh, wenn sie nicht ertrank. In der Schule hatte sie jahrelang ihre gute Sportnote durch den Schwimmunterricht verdorben. Jessy begann zu schwimmen, während Rena sich an die Kälte gewöhnen musste. Dabei hatte die Ostsee sicher zwanzig Grad, aber die Luft war noch wärmer. Um Jessy nicht völlig zu verlieren, warf sich Rena todesmutig ins Wasser und paddelte wild hinterher. Doch was war das? Vor ihr trieb eine riesige Qualle. Rena hasste Quallen. Welche waren noch mal gefährlich? Egal, widerlich waren alle. Sie drehte ab. Auch daneben schwamm ein Wabbeltier. Vorsichtig tastete Rena nach dem Boden. Auf Zehenspitzen konnte sie gerade eben stehen. Ängstlich erkundete sie die Lage. Rundherum trieben rote Quallen in der Größe von Omas altem Sonnenhut.

„Hilfe, Jessy!“, schrie Rena. Leider hörte Jessy sie nicht, sondern entfernte sich unbeirrt weiter. Rena balancierte langsam auf Fußspitzen zurück. Immer eine sichere Lücke zwischen diesen ekligen Tieren suchend. Sie bewegte sich millimeterweise im Zickzack vorwärts.

„Hier ist eine freie Stelle“, sagte eine Stimme hinter ihr.

Rena wandte sich hastig um. Eine Welle brandete heran, riss sie von ihren Füßen und schwappte über ihren Kopf. Das Salzwasser brannte in den Augen und der Nase. Sie blinzelte. Ein paar Schritte vor sich sah sie menschliche Schemen. Jessy! Hilfesuchend stürzte sich Rena auf ihre Freundin und klammerte sich an deren Hals.

„Lassen Sie los. Sie erwürgen mich“, befahl jemand scharf.

Doch Rena hörte in ihrer Angst nichts mehr. Krampfhaft umschlang sie ihre vermeintliche Freundin mit Armen und Beinen.

„Wenn Sie nicht loslassen, ertrinken wir beide.“

Rena reagierte nicht. Erst als ihre Finger und Hände schmerzhaft aufgebogen wurden, kam sie zur Besinnung. Vor ihr befand sich ein bärtiges Männergesicht. Hilfe! Sie umarmte einen wildfremden Kerl. Wie peinlich!

Geschockt ließ sie los. Prompt ging sie unter und schluckte Wasser. Kräftige Arme zogen sie wieder an die Oberfläche. Prustend holte sie Luft. Der starke Mann trug sie zum Ufer, mitten durch die roten Feuerquallen. Am Strand setzte er sie ab. „Wenn man nicht schwimmen kann, sollte man sich nicht so weit in die See wagen.“

Glutrot im Gesicht beschloss Rena, die Bemerkung lieber zu überhören und sich bei ihrem Retter zu bedanken.

(…)

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Leseprobe aus: „Sonne, Strand und Federwolken“

Zu beziehen bei Amazon, Thalia, Weltbild, Hugendubel, Buch.de, Bücher.de und ebook.de.

Zwei weihnachtliche Kurzgeschichten

Wer Weihnachtsgeschichten mag, kann meine Geschichte „Schneekatastrophe zu Weihnachten“ auf Wattpad lesen. Außerdem gibt es auch in diesem Jahr wieder eine Kurzgeschichte von mir in der Weihnachts-Textwerkstatt.

Ein unerfahrener Weihnachtsmann

Es klingelte. Dani stürzte zur Tür. Vor lauter Eifer stolperte er und schlug mit dem Kopf gegen den Schrank. Weinend blieb er liegen. Miriam erreichte ihn als erste und hob ihn hoch. Um ihn zu trösten, pustete sie kräftig auf seine Stirn. Als es erneut an der Tür klingelte, vergaß er die Schmerzen, sprang von ihrem Schoß und hüpfte zur Tür.

„Der Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann“, sang er.

Doch nachdem er die Tür aufgerissen hatte und direkt vor dem großen Mann im roten Umhang und dem langen, weißen Bart stand, verkroch er sich lieber hinter dem Rücken seiner großen Halbschwester.

„Kommen Sie bitte herein“, forderte Miriam den Mann auf.

Ihre Mutter stand in der Wohnzimmertür und nickte dem jungen Mann, den sie angeheuert hatte, aufmunternd zu.

„Guten Abend, hier soll Daniel wohnen“, dröhnte der Mann im tiefsten Bass, nur beim Wort wohnen verrutschte die Stimme etwas.

Miriam unterdrückte ein Lachen. Sie gluckste etwas. Und als sie dem Weihnachtsmann in die Augen sah, war es um ihre und seine Beherrschung geschehen. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und stürzte ins Badezimmer.  weiterlesen

 

Ein Zusammenstoß

Randi balancierte ihr Paket vorsichtig durch das Gedränge am Hauptbahnhof. Leider hatte sie auf ihr Weihnachtsgeld warten müssen, um die Weihnachtseinkäufe zu machen. Seit Tagen war sie durch die Läden gelaufen, hatte sich über gestresste Verkäuferinnen und ungeduldige Kunden geärgert. Aber es hatte sich gelohnt, sie hatte für ihre Großmutter einen Porzellankerzenständer, passend zu dem guten Geschirr, bekommen. Bestimmt würde sie sich darüber freuen. Ihre Mutter hatte kein Verständnis für solchen Firlefanz. „Es muss praktisch sein und in den Geschirrspüler passen“, meinte sie stets.
Bei Oma war das anders, die stellte zu Feiertagen ihr gutes Geschirr hin und kochte aufwändig mit Suppe, Braten und Dessert. Bei ihr kam kein Fertiggericht auf den Tisch.
Auf einmal rempelte jemand Randi an, fast wäre ihr das Geschenk aus der Hand gefallen. Krampfhaft umklammerte sie es und hielt es hoch. Aber dadurch verlor sie bei einem zweiten Stoß die Balance und stürzte, noch immer das Paket mühsam hochhaltend. Sie landete unsanft auf dem Boden. Ihr Knie schmerzte, ebenso ihr Knöchel und ihr Ellenbogen. Aber das Paket hatte den Boden nicht berührt!
„Haben Sie sich verletzt?“ Ein junger Mann beugte sich über sie. Eine blonde Strähne fiel widerspenstig in sein Gesicht. Er sah so besorgt aus, dass Randi lachte. Dabei verzog sie ihr Gesicht schmerzhaft.
„Können Sie bitte das Paket halten, damit ich aufstehen kann?“, bat sie.
Der Mann nahm ihr das Geschenk ab und eine zierliche, grauhaarige Dame reichte ihr die Hand, um ihr hochzuhelfen.
Der Knöchel brannte höllisch. Am liebsten hätte Randi sich wieder fallen gelassen.
Ihre beiden Helfer musterten sie besorgt. „Soll ich einen Krankenwagen rufen?“, fragte die Frau.
„Danke, nein.“ Randi schüttelte den Kopf und griff nach ihrem Paket. Dann humpelte sie ein paar Schritte weiter. Es schmerzte, aber es ging, wenn sie die Zähne zusammenbiss.
„Wohin müssen Sie?“, fragte der Mann.
„Nur fünf Stationen mit der S3.“
„Mit der fahre ich auch. Ich begleite Sie.“
Er nahm ihr das Paket wieder ab und stützte sie. Mühsam humpelte sie die Treppe hinunter.
„Sie sollten zum Arzt gehen, Sie sind ganz blass.“ Er führte sie zu einer Bank und bat einen Jungen, aufzustehen.
Dankbar setzte Randi sich hin. „Ich werde froh sein, wenn ich zu Hause bin.“
„Kann Sie jemand zum Arzt bringen?“
Sie schüttelte den Kopf. „Meine Eltern sind verreist, die kommen erst einen Tag vor Weihnachten zurück. Genau wie meine Freundin. Ich habe leider keinen Urlaub bekommen.“
„Dann bringe ich dich hin. Ich heiße Mark.“ Mit einer Handbewegung schob er die Haarsträhne aus dem Gesicht.
Dankbar lächelte Randi ihn an.
Die Bahn fuhr ein und obwohl das Abteil voll war, sorgte er wieder dafür, dass sie einen Platz bekam.
Sie unterhielten sich über die schlechten Bahnverbindungen. Viel zu schnell erreichten sie den Zielbahnhof. Mark stieg mit ihr aus und brachte sie in ihre Wohnung.
„Du willst wirklich nicht zum Arzt?“, fragte er.
Sie schüttelte den Kopf und lächelte. „Ich kühle es, morgen geht es bestimmt wieder.“
Bevor er ging, bat er um ihre Telefonnummer.
Randi legte ein feuchtes Handtuch auf ihren Knöchel, dann öffnete sie das Paket. Es war so schön verpackt, aber sie konnte ihrer Großmutter doch keinen beschädigten Kerzenständer schenken. Zum Glück war er heil geblieben. Sorgsam stellte sie ihn in den Schrank, dann legte sie sich wieder auf das Sofa. In der Nacht schlief sie schlecht. Das Bein schmerzte zu sehr. Am nächsten Morgen meldete sie sich krank. Bevor sie dazu kam, einen Arzt anzurufen, klingelte das Telefon.
„Ich komme heute Nachmittag vorbei und bringe dich zum Arzt“, bot Mark an.
Randi war froh, als er gegen vier Uhr bei ihr erschien. Dann fuhr er sie zum Unfallarzt. Als sie endlich mit einem Gipsbein ins Wartezimmer gehumpelt kam, wartete er noch immer auf sie und brachte sie nach Hause.
„Wie gut, dass ich dich getroffen habe, was hätte ich sonst gemacht?“
„Und wie würdest du dich versorgen?“ Er hielt bei einem Supermarkt an und kam kurz darauf mit einer vollen Plastiktüte zurück.
Randi hielt lieber den Mund. Ihre Großmutter fuhr zwar nicht mehr Auto, aber sie würde ihre Enkelin nie verhungern lassen. Aber für so einen hilfsbereiten Mann würde sie bestimmt gern zurückstehen.
„Ich hoffe, du magst Pilzsuppe, Roastbeef mit Salat und anschließend Mousse au Chocolat?“
Daheim musste sich Randi hinlegen, während Mark kochte, den Tisch deckte und versprach, hinterher abzuwaschen.

Kurzgeschichte des Monats

Nachdem ich vor ein paar Tagen das erste Mal etwas von der Kurzgeschichte des Monats beim Autoren-Netzwerk gelesen habe, musste ich dort gleich herumstöbern. Es gab schon eine Reihe schöner Augustgeschichten. Trotzdem entschloss ich mich, daran teilzunehmen. Zum Glück ist meine Festplatte ganz gut gefüllt, denn Zeit, eine neue Geschichte zu schreiben, habe ich momentan nicht. Und so kann man jetzt auf dem Blog meine Geschichte über den Kampf einer Hundsitterin mit dem betreuten Leonberger lesen.
Für alle, die keine Leonberger kennen: Der Hund von unseren Freunden braucht Einbrecher nicht verscheuchen, würde er auch nicht, dafür ist er viel zu träge und auch viel zu freundlich, aber es reicht, wenn er vor der Haustür liegt. Dann kommt niemand hinein oder hinaus.

Spatzen im Café

Amüsiert beobachtete Saskia das Treiben der Spatzen auf dem Platz vor ihr. Zwei Vögel stritten sich um ein Stückchen Brot. Während die zwei daran zerrten, hopste ein kleinerer dritter herbei und stibitzte ein viel größeres Stück.
Als Saskia aufblickte, lächelte die weißhaarige Dame am Nachbartisch sie an. „Wie meine Kinder früher“, meinte sie und Saskia nickte zustimmend.
Ihr Espresso wurde gebracht und da sie so viel Spaß an die Spatzen hatte, öffnete sie die Verpackung des Keks und zerkrümelte ihn. Sie wurde beobachtet. Sofort hüpfte ein Spatz auf den Tisch. Da er so zutraulich war, behielt sie ein Stückchen zwischen den Fingern und bot es ihm an. Tatsächlich, erst zögernd, dann entschlossen näherte sich der Vogel, schnappte nach dem Stück und floh dann damit auf einen Blumenkübel.
Die anderen Krümel warf Saskia auf den Fußboden, sofort stürzte sich die Vogelschar darauf. Noch bevor die Tiere weiterwanderten, legte jemand einen Keks auf ihren Tisch. „Als Kind habe ich sie auch immer gefüttert“, sagte eine tiefe Männerstimme. Der dunkelhaarige Mann, der sich zu ihrer Tischnachbarin gesetzt hatte, sah attraktiv aus.
„Um sie dann anschließend aufscheuchen zu können“, meinte die alte Dame.
Der Mann lachte. Es wirkte ansteckend und Saskia lachte mit. „Ich liebe die kleinen Piepmätze. Vor allem Spatzen.“
„Wollen Sie ihren Kaffee allein trinken? Setzen Sie sich doch zu uns“, bot er an.
Eigentlich war ihre Tasse fast leer, aber sie beschloss, ihre Mittagspause zu überziehen und noch eine zweite zu bestellen. Tine, ihre Chefin, hatte sicher Verständnis dafür.

©Eva Joachimsen