Erfolg lässt sich nicht erzwingen – Leseprobe

Erfolg lässt sich nicht erzwingenKapitel 1

Melanie stand im Laden und schob die Kleider auf der Stange weiter. Eins war schöner als das andere. Aber standen sie ihr auch? Sie wollte zum Ball in Köpenick besonders hübsch aussehen. Mirko sollte stolz auf sie sein. „Mach dich nicht lächerlich“, hatte ihre Tanzfreundin Astrid gemeint. „Es sind doch nur zwei Jahre und nicht zwei Jahrzehnte.“ Doch Melanie kam sich mit ihren siebenunddreißig Jahren neben dem vierunddreißigjährigen Mirko uralt vor. Vielleicht lag es daran, dass er erheblich besser als sie tanzte. Außerdem musste sie seinetwegen in einer Turniergruppe mit jüngeren Tänzern starten. Sie nahm zwei Kleider in die Umkleidekabine und probierte sie an. Das eine hing wie ein Sack an ihr. Schnell schlüpfte sie wieder hinaus. Das zweite schien wie für sie gemacht. Türkis, mit großem Ausschnitt vorne und hinten, und für die Beinfreiheit hatte es einen seitlichen Schlitz bis zum Oberschenkel. Sie schaute auf den Preis und schluckte. Nein, sie musste es unbedingt haben. Dann musste sie eben in diesem Monat beim Essen sparen und den wöchentlichen Kinobesuch absagen. Ihr würde schon etwas einfallen, um Astrid zu vertrösten. Das neue Strasscollier und die dazugehörigen Ohrringe würden passen. Daheim zog sie gleich alles an. Sie kam sich wie eine Märchenprinzessin vor. Nur die glatt herunterhängenden Haare gefielen ihr nicht. Also besorgte sie sich Haarnadeln und Haargummi. Im Internet fand sie die passende Anleitung. Allerdings sah es einfacher aus, als es war. Die Haare rutschten ihr immer wieder weg. Ein Teil hing heraus und der Dutt war schief. Es war zum Verzweifeln. Nach weiteren vergeblichen Versuchen mit anderen Anleitungen pfefferte sie Haarnadeln und Gummibänder wütend in die Ecke. Morgens beim Föhnen beschloss sie, sich einen Frisörtermin zu gönnen. In der Mittagspause setzte sie sich in das Büro der kleinen Buchhandlung, in der sie arbeitete, und telefonierte herum. Entweder hatten die Frisöre keine Zeit oder sie machten keine Hochsteckfrisuren. Bei einer jungen Türkin war sie endlich erfolgreich und vereinbarte für Samstagmittag einen Termin. Vormittags musste sie arbeiten. Der Frisörsalon sah aus, als sei er seit vierzig Jahren nie verändert worden. Dafür hatte das Mädchen wirklich geschickte Hände. „Da muss etwas hinein, für einen Ball muss es ein Hingucker sein.“ Suchend schaute sie sich um. „Einen Augenblick.“ Sie verließ den Laden, lief über die Straße und verschwand. Ungeduldig spielte Melanie mit ihren Händen. In einer Stunde würde Mirko sie abholen. Was sollte er denken, wenn er vor verschlossener Tür stand? Dazu musste sie sich auch noch umziehen und schminken. Sie überlegte schon, den Umhang auszuziehen, einen Geldschein hinzulegen und zu verschwinden. Gerade als sie tatsächlich aufstand und am Umhang herumfummelte, um ihn abzulegen, ging die Tür wieder. Sie sah im Spiegel die Frisörin. „Es hat leider etwas gedauert, dafür passt es jetzt!“ Sie hielt eine violette Blume in der Hand und arbeitete sie Melanie in die Haare ein. Zum Schluss sprühte sie Haarlack und anschließend Glitter über die Haare. Dann holte sie den Spiegel und ließ ihre Kundin hineinschauen. Melanie hielt den Atem an. So wunderbar hatten ihre Haare noch nie ausgesehen. Die lila Blüten hoben sich von ihren mittelblonden Haaren ab. Es wirkte viel lebhafter als sonst. Vor Begeisterung gab sie dem Mädchen zehn Euro Trinkgeld. Hier würde sie wieder hingehen. Daheim beeilte sie sich mit dem Schminken. Sie dachte an Margas Ratschläge und versuchte ihre Augen mit hellen Farben größer zu schminken, modellierte ihr Gesicht mit afrikanischer Erde und malte sich einen großen Kussmund. Sie war vom Ergebnis angenehm überrascht. Im Spiegel des schlecht erleuchteten Flurs wirkte sie geheimnisvoll. Mirko holte sie pünktlich ab. Als sie im Ballsaal in Köpenick eintrafen, war der Raum gut gefüllt. „Oh, die Abordnung des Tanzclubs Lietzensee ist da“, begrüßte sie ein Mann im Anzug gleich an der Tür und führte sie zu ihrem Tisch. Mirko hatte Plätze direkt an der Tanzfläche besorgt, sodass sie den anderen Tänzern zusehen konnten. Einige junge Mädchen führten Modern Dance vor. Leider merkte sich Melanie den Namen der Gruppe nicht. Das gefiel ihr nämlich viel besser als Square Dance und falls Mirko es sich noch anders überlegte und eine erfahrenere Tänzerin auswählte, wollte sie probeweise in so einer Gruppe mitmachen. Sie schaute ihn an. Sie konnte es immer noch nicht glauben, mit ihm zu tanzen. Es war doch so schwierig, als Dame einen Tanzpartner zu finden. Zudem sah er mit seinen schwarzen Haaren und den blauen Augen hinreißend aus. Mirko wurde von allen Seiten begrüßt. „Meine neue Partnerin Melanie“, stellte er sie vor. Ein paar seiner Bekannten grinsten. Zwei Frauen musterten sie und lächelten dabei so komisch. Ob die neidisch waren? Wer weiß, wie gut ihre Partner tanzten. Mirko führte sie gleich beim ersten Tanz aufs Parkett. Melanie genoss es, sich von ihrem gutaussehenden Tanzpartner führen zu lassen. Selbst auf kleinstem Raum schaffte er es, irgendeine Figur zu tanzen, statt vom rechten auf das linke Bein zu wechseln, wie es eine Reihe der Paare um sie herum machten. Ab und zu forderten seine Bekannten sie auf. Doch mit den meisten kam sie nicht so gut zurecht wie mit ihm. (…)

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