Unangemeldeter Besuch 4

(…)

Wilhelm verteilte das Gepäck in der Wohnung. Einen Teil brachte er gleich ins Schlafzimmer. Dabei stolperte er über die Hundeleine. Beim Versuch das Gleichgewicht mit ein paar Schritten zurück zu gewinnen, trat Wilhelm auf eine Reisetasche und fiel hin. Im Fallen schlug er mit dem Kopf gegen die Wohnungstür. Hannibal jaulte laut auf. Er selbst verbiss sich einen Fluch.

Nico kletterte über einen Koffer und den Katzenkorb zu ihm, Hannibal folgte und leckte ihm übers Gesicht.

Wilhelm schob den Hund, eine Straßengrabenmischung mit viel Terrier, entsetzt von sich.

„Nico, geh in die Küche“, befahl er.

Nachdem er das gesamte Gepäck im Flur und Schlafzimmer gestapelt hatte, eilte er wieder hinunter.

„Musstest du dem Kerl so viel Geld geben? Der hat mich vielleicht angemacht! Wir hätten die Sachen auch allein hochtragen können“, empfing Lydia ihn.

„Wolltest du hier noch länger stehen? Du hast dich bereits zum Schauspiel der Straße gemacht“, wies Wilhelm sie zurecht. Sein Kopf pochte. Er spürte, wie die Beule wuchs. Nur mit Mühe beherrschte er sich. Dabei geriet er höchst selten in Wut.

„Wieso?“, fragte Lydia ahnungslos.

Kaum merklich nickte Wilhelm nach links oben.

Lydia drehte sich um und schaute hoch. Im zweiten Stock des Nachbarhauses bewegte sich eine Gardine.

„Unsere alte Jungfer beobachtet alles genau.“

Spontan hob seine schreckliche Schwester den Arm, winkte und warf Kusshändchen. Dabei funkelten ihre blauen Augen und Lachfältchen verzauberten ihr Gesicht.

„Lydia, das reicht! Benimm dich nicht so provozierend.“

„Wer benimmt sich peinlich? Ich oder die Alte?“ Sie lachte ihren Bruder an. „Sei doch nicht ständig so spießig.“

„Was machen wir mit dem Kinderwagen? Im Hausflur ist kein Platz, oben bei mir in der Wohnung aber auch nicht“, wechselte Wilhelm das Thema.

Lydia krauste die Stirn.

„Anna-Lena muss darin schlafen. Wir bräuchten nur das Oberteil. Das Fahrgestell kann in den Keller.“

„Gut, dann tragen wir das Baby hoch, und ich hole den Schlüssel.“

Sie lösten die Sicherungen und jeder griff sich einen Gurt von der Tragetasche.

Als Wilhelm das Fahrgestell hinunter trug, überlegte er, ob er Hund und Katze nicht ebenfalls in dem Verschlag unterbringen könnte. Aber Lydia würde es nie zulassen, sie liebte ihre Tiere abgöttisch. Allein der Vorschlag hätte einen Wutanfall bei ihr ausgelöst und bestimmt sein Porzellan reduziert. Gerade jetzt würde er alle Teller und Tassen benötigen.

Schwer atmend stieg er die Treppe hoch. Erschöpft ließ er sich in den Lehnsessel fallen.

„Vorsicht, Cleo“, schrie Lydia entsetzt auf.

Doch die Katze hatte die Gefahr rechtzeitig erkannt und war über die Rückenlehne auf den Schrank geflüchtet. Dort hockte sie und fauchte Wilhelm an.

(…)

Leseprobe aus „Petermanns Chaos“, das Buch ist bei Amazon zu beziehen.

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