Der Pralinenstand

(…)
„Zieh zu uns, dann zahlst du nur noch Strom und Heizung“, bot Stinas Mutter an.
Stina zögerte lange, sie wollte nicht wieder bei ihren Eltern einziehen, auch wenn sie sich gut mit ihnen verstand. Aber schließlich begannen die Herbstferien und Monika hörte auf. Wenn Stina wirklich schnell einsetzbar sein wollte, brauchte sie eine Betreuung für Lars.
„Du kannst dann auch abends bequemer einmal weggehen. Es wird Zeit, dass du wieder unter Leute kommst.“
Oder auf Männerjagd, dachte Stina. Ihre Mutter drängte seit Lars Geburt, dass sie sich einen Mann fürs Leben suchen sollte. Aber so einfach war es nicht mit einem Kind. Drei Jahre hatte sie eine lose Beziehung mit Bernd geführt, aber der hatte sich vor ein paar Monaten von ihr getrennt. Er hatte sich als Familienvater überfordert gefühlt.
Ohne ihre Antwort abzuwarten, hatte ihr Vater schon begonnen, den ersten Stock ihres alten Hauses umzubauen. Jeden Tag arbeitete er mit seinem Bruder Manfred oben. Als Stina das mitbekam, arbeitete sie mit und am Wochenende durfte auch Lars helfen. Er fühlte sich wichtig, wenn er seinem Großonkel Nägel und Werkzeug reichen durfte. Stina schraubte und hämmerte mit. Nach ein paar Wochen waren Küche, Bad und Schlafzimmer fertig und ihre Eltern zogen hoch.
Ohne die alten Räume auch nur zu streichen, zog Stina ein, um die Miete zu sparen. Während ihr Vater oben Wohnzimmer und Gästezimmer ausbaute, strich Stina Lars Zimmer. An die Wände malten sie einen Drachen und einen Prinzen. Ihr eigenes Schlafzimmer und das Wohnzimmer wollte Stina später vorrichten, wenn sie wieder mehr Geld hatte.
Nebenbei fing sie an, Pralinen herzustellen. Schon vor Jahren hatte sie in ihrer Freizeit gerne gebacken und Pralinen gemacht. Jetzt musste sie sich beschäftigen.
„Mann, die sind lecker, die solltest du verkaufen“, riet Connie ihr, als sie zum Geburtstag eine große Tüte voll selbstgemachter Pralinen erhielt.
Stinas Mutter riet ihr auch dazu. „Wenn du den Ärzten zu teuer bist und unser Krankenhaus momentan keine MTA braucht, dann versuche doch, damit Geld zu verdienen.“
„Aber wie soll ich die denn verkaufen?“
(…)

aus: „Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter

 

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