Archiv für den Monat September 2012

Glatteiswarnung

Dina zog sich an. Winterstiefel, Daunenjacke, Mütze, Handschuhe und Schal. Draußen war es sehr kalt.
„Seien Sie heute vorsichtig. Überall ist es spiegelglatt. Es hat schon zahlreiche Unfälle gegeben“, brabbelte das Radio.
Sie musste sich sputen, deshalb hatte sie keine Zeit, das Radio auszuschalten. Vor lauter Eile brach sie fast den Schlüssel ab. Im letzten Augenblick ließ sie ihn los und versuchte es ein zweites Mal. Anschließend sprang sie leichtfüßig die Treppe hinunter und zur Haustür hinaus. Auf der Straße rutschte sie gleich auf den ersten Metern weg. Mit dem Glatteis direkt vor der Eingangstür hatte sie nicht gerechnet. Sonst war der Hausmeister immer sehr zuverlässig. Sie versuchte, das Gleichgewicht zurückzugewinnen und ruderte wild mit ihren Armen herum. Im letzten Augenblick brachte sie ihre Füße unter ihren Körper und gewann ihr Gleichgewicht zurück. Schade, dass das niemand gefilmt hatte, es war sicher sehenswert. Bei diesen Straßenverhältnissen würde sie es nicht mehr pünktlich zur Arbeit schaffen. Warum hatte sie auch bloß gestern noch den Krimi gesehen, statt früh ins Bett zu gehen? Natürlich hatte sie früh am Morgen dann den Wecker ausgestellt, statt aufzustehen. Mit ihren achtundzwanzig Jahren sollte sie eigentlich vernünftiger sein. Und jetzt konnte sie nicht einmal ihr Auto nehmen, um schneller zur Firma zu kommen.
Also schlitterte sie zur Bushaltestelle, anders konnte man ihre Fortbewegung nicht nennen. Vorbei an der alten Frau Schmättke von gegenüber. Sie war schon fast an der Haltestelle angekommen, da überlegte sie, wie ihre siebenundachtzigjährige Nachbarin bei diesem Glatteis irgendwohin gehen sollte. Also balancierte sie zurück.
„Frau Schmättke, bleiben Sie stehen. Sie können heute unmöglich aus dem Haus gehen“, rief sie schon von weitem. Doch die alte Dame hörte sie nicht. Unbeirrt lief sie weiter. Ihr Gehweg schien zum Glück noch stumpf zu sein. Dina nahm keine Rücksicht mehr, selbst heil anzukommen, sondern glitschte und rutschte, so schnell sie konnte. Frau Schmättke erreichte gerade die Gartenpforte, als Dina schon fast bei ihr war. Sie sah auf und nickte Dina zu. „Haben Sie etwas vergessen?“, fragte sie.
Doch bevor Dina antworten konnte, zog es ihre Beine weg und sie landete hart auf ihren Händen und Knien. Auf dem Bauch schlitterte sie bis vor die Füße von Frau Schmättke.
„Kindchen, haben Sie sich etwas getan?“, fragte Frau Schmättke, als Dina so vor ihr lag.
Dina sammelte sich erst einmal. Ihre Hände und Knie brannten, aber sie schien heil zu sein. Sie erhob sich, bevor Frau Schmättke sich bückte und ihr aufhalf.

Aus „Glatteiswarnung“, erhältlich bei amazon.

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Glühwein und Weihnachtsgans

Cindy hetzte durch die Stadt. In beiden Händen trug sie volle Plastiktüten. Eine Woche vor Weihnachten und erst jetzt hatte sie Zeit, sich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Es war zum Verzweifeln. Aber auf der Arbeit gab es so viel zu tun, dass sie jede Menge Überstunden schob. Und wenn sie dann endlich nach Hause ging, war sie viel zu müde um sich noch durch die Geschäfte zu schieben oder in Ruhe im Internet zu stöbern. Letzten Samstag wollte sie einkaufen, aber nachdem sie ausgeschlafen hatte, stand ihre kleine Schwester vor der Tür.
„Hallo Cindy, ich dachte, du brauchst jemanden, der dich aus deinem Trübsinn reist.“ Karo war eine spontane Studentin. Ein paar Semester mehr oder weniger regten sie nicht auf. Allerdings musste Cindy ehrlich zugeben, dass Karo ihrer Mutter nicht mehr auf der Tasche lag, sondern sich ihren Unterhalt selbst verdiente. Kein Job war ihr zu schlecht. Weder Babysitten, Kellnern, Nachhilfe, Hundesitter oder Verkäuferin. Selbst bei der Obsternte hatte sie schon zwischen den Apfelbäumen gestanden. „Lohnt sich überhaupt nicht, davon kann ich ja gerade einmal die Semesterferien überstehen“, meinte sie hinterher.
„Du, ich muss heute unbedingt Weihnachtsgeschenke kaufen“, sagte Cindy und wollte sie schon hinauswerfen.
„Kein Problem. Ich liebe Weihnachtsmärkte.“
Sie hatte nicht übertrieben. Jede Kleinigkeit interessierte sie. Überall blieb sie stehen und spielte mit den ausgestellten Waren. Das Ende vom Lied war, dass Cindy am Abend völlig erledigt war, weil sie von Stand zu Stand geschoben wurden, zwischendurch Glühwein, Krapfen, Bratwurst und gebrannte Mandeln in sich hineingestopft hatten. Dafür hatte sie kein einziges Geschenk besorgt. Schließlich hatte Karo nicht zugelassen, dass sie früh ins Bett gingen, sondern hatte sie auch noch ins Kino und hinterher in die Disko gezerrt.
„Ich bin müde. Ich hatte eine anstrengende Woche.“ Vergeblich. Ihre Argumente hatten ihr nicht geholfen. Gegen ihre kleine Schwester war sie machtlos.
„Wenn ich schon einmal in der Großstadt bin, will ich auch etwas erleben.“ Und weil es in ihrer Universitätsstadt keine großen Kunstausstellungen gab, scheuchte sie Cindy auch noch am Sonntagvormittag aus dem Bett und schleppte sie zu den modernen Malern.
„Du bist überhaupt nicht mehr informiert. Meine Güte, es gibt doch auch noch ein Leben außerhalb deiner Firma“, klagte sie, als sie von Bild zu Bild schlenderten.
Cindy atmete am Abend auf, als Karo ihren Rucksack packte und wieder verschwand. Sie freute sich fast auf ihr Büro. Trotzdem ging sie die nächsten drei Tage so früh wie möglich ins Bett. Und jetzt hatte sie nur noch sechs Tage Zeit für alles, einschließlich des Gänsebratens, denn Karo und ihre Mutter hatten sich wie gewohnt bei ihr eingeladen. Sie seufzte. Warum fühlte sie sich bloß für die Familie verantwortlich? Sie hatte ihren Vater schließlich nicht mit ständigen Vorwürfen aus dem Haus getrieben. Andererseits hatte sie damals die Rolle des Familienoberhaupts übernommen. Eine viel zu große Verantwortung für eine Sechzehnjährige, aber ihre Mutter war dazu nicht in der Lage gewesen. Und sie hatte auch auf das erhoffte Studium verzichtet, um ihrer Mutter nicht länger zur Last zu liegen.
In Gedanken schob sie sich durch die Menschen, die vor den Weihnachtsbuden standen, ohne auf sie zu achten. Sie wollte in den Fotoladen, der ein paar Meter weiter war. Überall stieß sie mit ihren breiten Tüten an und kam kaum durch die schmalen Gassen, die die Leute widerwillig bildeten. Sie nahm den rechten Arm vor die Brust und trug jetzt die Tüten vor ihrem Körper, um schmaler zu sein. Plötzlich drehte sich ein Mann um und prallte gegen sie, als sie gerade vorbeiging.
„Aua, können Sie nicht aufpassen?“, fauchte sie. Ihre beige Wolljacke färbte sich dunkelrot vom Glühwein. Entsetzt betrachtete sie ihr neues Stück. Wochenlang hatte sie genau diese Jacke gesucht, und jetzt kippte so ein Depp seinen Wein über die teure Jacke.

Aus Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter

 

Der Pralinenstand

(…)
„Zieh zu uns, dann zahlst du nur noch Strom und Heizung“, bot Stinas Mutter an.
Stina zögerte lange, sie wollte nicht wieder bei ihren Eltern einziehen, auch wenn sie sich gut mit ihnen verstand. Aber schließlich begannen die Herbstferien und Monika hörte auf. Wenn Stina wirklich schnell einsetzbar sein wollte, brauchte sie eine Betreuung für Lars.
„Du kannst dann auch abends bequemer einmal weggehen. Es wird Zeit, dass du wieder unter Leute kommst.“
Oder auf Männerjagd, dachte Stina. Ihre Mutter drängte seit Lars Geburt, dass sie sich einen Mann fürs Leben suchen sollte. Aber so einfach war es nicht mit einem Kind. Drei Jahre hatte sie eine lose Beziehung mit Bernd geführt, aber der hatte sich vor ein paar Monaten von ihr getrennt. Er hatte sich als Familienvater überfordert gefühlt.
Ohne ihre Antwort abzuwarten, hatte ihr Vater schon begonnen, den ersten Stock ihres alten Hauses umzubauen. Jeden Tag arbeitete er mit seinem Bruder Manfred oben. Als Stina das mitbekam, arbeitete sie mit und am Wochenende durfte auch Lars helfen. Er fühlte sich wichtig, wenn er seinem Großonkel Nägel und Werkzeug reichen durfte. Stina schraubte und hämmerte mit. Nach ein paar Wochen waren Küche, Bad und Schlafzimmer fertig und ihre Eltern zogen hoch.
Ohne die alten Räume auch nur zu streichen, zog Stina ein, um die Miete zu sparen. Während ihr Vater oben Wohnzimmer und Gästezimmer ausbaute, strich Stina Lars Zimmer. An die Wände malten sie einen Drachen und einen Prinzen. Ihr eigenes Schlafzimmer und das Wohnzimmer wollte Stina später vorrichten, wenn sie wieder mehr Geld hatte.
Nebenbei fing sie an, Pralinen herzustellen. Schon vor Jahren hatte sie in ihrer Freizeit gerne gebacken und Pralinen gemacht. Jetzt musste sie sich beschäftigen.
„Mann, die sind lecker, die solltest du verkaufen“, riet Connie ihr, als sie zum Geburtstag eine große Tüte voll selbstgemachter Pralinen erhielt.
Stinas Mutter riet ihr auch dazu. „Wenn du den Ärzten zu teuer bist und unser Krankenhaus momentan keine MTA braucht, dann versuche doch, damit Geld zu verdienen.“
„Aber wie soll ich die denn verkaufen?“
(…)

aus: „Schneegestöber, Tannenduft und Sternenglitter

 

Jagd auf Männer

Müde ließen Lucy und Christine sich in der S-Bahn auf die Sitze fallen. Sie hatten noch umräumen müssen und als Letzte den Laden verlassen. Inzwischen waren die Bahnen leer. Wer fährt schon am Samstagabend spazieren?
„Ich werde nicht übernommen“, meinte Lucy niedergeschlagen. Nur wenige Menschen fanden Gnade vor den Augen ihrer furchteinflößenden Chefin. In den letzten zwei Jahren hatte sie ihr Selbstbewusstsein beachtlich untergraben.
Christine strich sich ihre wilde Lockenpracht zurück. „Ich auch nicht. Beim Personalgespräch vorgestern haben sie mir vorgeworfen, dass ich mich unmöglich kleide und keinen Einsatz zeige.“
Christine zog sich extravagant an, aber mussten sie deshalb gleich so stressen?
„Was machen wir nach der Prüfung? Mit dem miesen Zeugnis bekomme ich nie eine Stelle. Noch eine zweite Ausbildung dranhängen?“ Lucy sah niedergeschlagen aus. Bei der momentanen Arbeitsmarktlage steuerten sie auf die Arbeitslosigkeit zu.
„Augen offen halten und auf eine Chance warten“, entgegnete Christine. Sie war eine unverbesserliche Optimistin.
„Oder reich heiraten.“ Ein Lächeln huschte über Lucys Gesicht.
„Heute Morgen habe ich einen netten, älteren Herrn bedient. So einen müsste ich mir angeln“, erklärte Christine.
Der Herr gegenüber sah sichtlich geschockt aus.
Christine setzte noch eins obendrauf. „Kennen Sie einen Kandidaten? Oder sind sie selbst noch frei?“, fragte sie.
Mit einem missbilligenden Gesichtsausdruck öffnete der Herr seine Zeitung.
Dafür beugte sich der junge Mann von der anderen Seite des Ganges zu ihnen herüber und fragte: „Wie wäre es mit mir?“
„Sind Sie reich?“, fragte Christine.
„Haben Sie einen vermögenden Freund?“, erkundigte Lucy sich.

aus „Schwer beladen ins Glück

Der Strandkorb

 

Nicola packte ihr Netbook in die Badetasche. Darauf legte sie ihre Unterwäsche, T-Shirt und Shorts. Sie stellte die Tasche neben den Strandkorb. Gewollt achtlos warf sie ihr Handtuch darüber. Erst dann stürzte sie sich ins Wasser. Herrlich, das kühle Nass befreite ihren Geist. Über eine halbe Stunde blieb sie im Wasser, bevor sie zurücklief. Sie war etwas abgetrieben und musste suchen, bis sie ihren Platz und ihre Tasche entdeckte. Lag sie nicht woanders? Ihr Herz sackte in ihr Höschen. Nicht ihr Netbook. Es war zwar alt, nur deshalb hatte sie sich getraut, es überhaupt an den Strand mitzunehmen. Aber die vielen Stunden, die sie an ihrer Doktorarbeit gesessen hatte. Ihre Schritte wurden immer länger und schneller. Endlich erreichte sie das Handtuch. Ihre Tasche lag darunter und auch das Netbook war noch drinnen. Erleichtert atmete sie tief durch, trocknete sich ab, zog die Tasche näher an den Strandkorb und ließ sich dort nieder. Irgendein Fremder hatte ein Tuch und ein Polohemd hingelegt. Sie schob es zur Seite, fuhr ihr Netbook hoch und arbeitete weiter. Im Freien machte das Arbeiten viel mehr Spaß. Wie gut, dass ihr Akku stundenlang hielt. Darauf hatte sie vor Jahren beim Kauf auch besonders geachtet. Klein, handlich und lange Laufzeit. Den sonstigen Firlefanz brauchte sie nicht, sie benutzte es hauptsächlich als Schreibmaschine. Gerade jetzt. Eigentlich konnte sie sich gar keinen Urlaub leisten. Sie musste ihren Abgabetermin einhalten und war schon etwas in Verzug. Aber ihre Mutter hatte gedrängt. „Fahr an die See. Sieh zu, dass du an die frische Luft kommst, sonst wirst du noch krank.“ Sie hatte ihr auch den Urlaub spendiert und gebucht. Nicola brauchte nur den Koffer packen und hinfahren.

Ihre Mutter hatte recht gehabt. Brauchte sie daheim ewig, um ein paar Seiten zu schreiben, flogen ihre Gedanken und ihre Finger hier. In drei Tagen wäre sie fertig, wenn sie so weitermachen würde. Dann musste sie nur noch einmal alles durchlesen und überarbeiten und die Bilder und Tabellen einfügen.

Als sie mit dem Kapitel zu Ende war, sah sie auf. Direkt neben ihr lag ein braungebrannter Mann auf einem Handtuch. Er sah durchtrainiert wie ein Bodybuilder aus. Ganz schön dreist, ihr so auf die Pelle zu rücken. Sie fröstelte, daher zog sie ihr T-Shirt aus der Tasche und zog es über. Dann vertiefte sie sich wieder, wurde aber bald hochgeschreckt, als der Braungebrannte das T-Shirt vom Sitz neben ihr griff und es sich überzog. Aber Nicola war zu sehr in ihre Arbeit vertieft, um sich darüber Gedanken zu machen. Sie schrieb und schrieb. Ab und zu öffnete sie andere Dateien, schaute sich ihre Notizen noch einmal an, anschließend schrieb sie weiter.

„Wenn Sie weiter in der Sonne sitzen, bekommen Sie einen Sonnenbrand.“

Sie zuckte zusammen. Was ging es diesen aufdringlichen Fremden an, ob sie einen Sonnenbrand hatte oder nicht? Sie beachtete ihn nicht, sondern schrieb weiter.

Schließlich räusperte er sich. „Entschuldigen Sie, ich möchte Sie in Ihrer wichtigen Arbeit nicht stören, aber ich würde jetzt gern den Strandkorb abschließen.“

Sie fuhr auf, blinzelte erst einmal. Was erzählte er da gerade? „Das ist mein Strandkorb“, fuhr sie ihn an.

„Nein, meiner.“ Er hielt ihr den Schlüssel hin, darauf stand AH 317. Sie kramte in ihrer Tasche, bis sie ihren Schlüssel fand. AH 318.

Er nahm ihn und las. Dann lachte er. „Ihr Korb steht eine Reihe weiter hinten.“ Er zeigte auf den Korb neben ihnen. Nicola schaute auf ihren Schlüssel, danach auf die Nummer am Strandkorb und errötete. Am liebsten wäre sie unter den Korb gekrochen.

(…)

Leseprobe aus „Strandkorburlaub”, das Buch ist von amazon zu beziehen.

Bild

Peinliche Eitelkeit

Zufrieden betrachtete Ines sich. Der neue Hosenanzug stand ihr sehr gut. Tagelang hatte sie dafür im Supermarkt die Regale gefüllt. Das Blau passte hervorragend zu ihren langen, blonden Haaren und den blauen Augen. Nur die Brille störte den Gesamteindruck.
Kurz entschlossen nahm sie die Brille ab. Sie war zwar stark kurzsichtig, aber heute Abend nahmen Sandra und Ramon sie im Auto mit, da brauchte sie nicht scharf sehen. Es war zu ärgerlich, dass sie keine Kontaktlinsen vertrug.
Ines war gerade rechtzeitig fertig geworden, denn jetzt klingelte es. Fröhlich vor sich hin summend eilte sie zur Tür und begrüßte Sandra.
„Hallo, der Anzug steht dir gut“, lobte Sandra.
„Dafür muss mein Führerschein zwei weitere Wochen warten“, stöhnte Ines und folgte Sandra zum Auto. Dort kroch sie auf die Rückbank und stieß dabei gegen den Fahrersitz.
„Behandle mein Auto liebevoll, es ist ein altes Liebhaberstück“, bat Ramon. Dementsprechend sprang der Motor erst beim dritten Versuch an.
„Oldtimer gehören ins Museum“, meinte Ines und kratzte das Eis innen von den Seitenscheiben. „Hoffentlich hat Andi mit seinem Freund gesprochen. Er meinte, ich könnte mit Werbefotos etwas Geld verdienen.“
„Kennst du uns dann noch, wenn du als Supermodell zum Jet-Set aufsteigst“, stichelte Ramon und drehte sich zu ihr um.
„Blödmann, pass lieber auf den Verkehr auf. Sonst steigen wir zum Himmel auf und spielen Harfe. Irgendwie muss ich doch mein Studium finanzieren und Regale packen ist wirklich nicht mein Traumjob“, knurrte Ines.
Immer noch sich neckend stellten sie das Auto ab und liefen zu dem großen Einfamilienhaus von Carinas Eltern. Dort herrschte schon lebhafter Trubel. Mitten im Gewühl erblickte Ines Andi und stürzte auf ihn zu.
„Hallo, Andi, hast du schon Sven gesprochen?“, stieß sie hervor und fiel ihm um den Hals.
Der Mann schob Ines von sich.
„Tut mir leid, schöne Frau, aber ich kenne Sie nicht. Mein Name ist Christian“, sagte er. Er wirkte verärgert.
Verblüfft kniff Ines die Augen zusammen und musterte ihn. Er hatte die gleichen braunen Haare wie Andi und auch die gleiche Figur. Aber direkt vor ihm erkannte Ines, dass es ein Fremder war. Sie spürte, wie ihr das Blut zu Kopfe stieg. (…)

 
Aus: Peinliche Eitelkeit

Fünf kleine Liebesgeschichten

Liebesromane

Was ist schöner, als an einem freien Tag oder Abend sich ein gemütliches Plätzchen zu suchen und zu schmökern. Am besten in einem Liebesroman. Egal, ob historisch, zeitgenössisch, humorvoll oder traurig. Für ein paar Stunden versinke ich in ihnen und vergesse die Welt um mich herum. Besonders in der dunklen Jahreszeit, wenn sich meine Stimmung auf einem Tiefpunkt befindet, bevorzuge ich sie. Oder im Urlaub, wenn ich am Strand oder im Hotel entspanne, wünsche ich mir etwas Leichtes.
Einige finde ich so herrlich, dass ich sie immer wieder lese. Manche lese ich nur einmal. Trotzdem bereue ich es selten, sie gelesen zu haben. Und andere wiederum hinterlassen einen bleibenden Eindruck, wie „Vom Winde verweht“ oder „Kalifornische Sinfonie“.